Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin

GOTS: Verletzungen beim Rugby

GOTS – Pressenewsletter 04.10.2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

in vielen Ländern Nationalsport, in Deutschland eher eine Nischensportart: Rugby. In diesen Tagen findet die Weltmeisterschaft in Neuseeland – der Heimat des Top-Favoriten, den All Blacks – statt. Wie verletzungsanfällig ist der ruppige Sport? Die Antworten finden Sie in diesem Newsletter.

An dieser Stelle möchten wir Sie auch auf eine Veranstaltung der GOTS am 12. November 2011 in Hamburg hinweisen: Der GOTS-Thementag unter der Leitung von Dr. Kirstin Richter behandelt das wichtige Thema “Kind und Sport“.

Mit freundlichen Grüßen,
Frank Wechsel und Dr. Wolfgang Schillings, GOTS-Pressesprecher

Pressetext: Verletzungen beim Rugby

Am 23. November wird in Neuseeland der Rugby-Weltmeister 2011 geehrt. Alle vier Jahre messen sich die besten 20 Mannschaften der Welt bei der WM – und wie so oft heißt auch in diesem Jahr der Favorit Neuseeland.

Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft ist vom WM-Titel weit entfernt. Zurzeit lediglich 37. der Weltrangliste und auf dem mühseligen Weg vom Amateur- in den Profisport, muss sich die Mannschaft in den nächsten zwei Jahren erst wieder in das europäische Erstliganiveau mit Gegnern wie WM-Teilnehmer Georgien, Rumänien und Russland zurückspielen. Anders sieht es beim ab 2016 olympischen Siebener-Rugby aus. Hier spielen sieben statt fünfzehn Spieler in Turnierform jeweils zweimal zehn Minuten gegeneinander. In diesem Wettbewerb hat die deutsche Nationalmannschaft vor kurzem den Sprung in die europäische Oberklasse geschafft.

Sportartspezifische Herausforderungen
Die Rugby-WM 2011 wird über sechs Wochen ausgetragen. Denn anders als beispielsweise beim Fußball benötigen die Spieler mindestens eine Woche Regenerationszeit, um ein weiteres Match auf WM-Niveau bestreiten zu können. Dies ist den sportartspezifischen Herausforderungen geschuldet, die ein höchstes Maß an Kraft und Kondition, aber auch hervorragende Fähigkeiten in Technik und Spielintelligenz sowie eine überdurchschnittliche körperliche Robustheit fordern.

Verschiedene Belastungen für Sturm und Hintermannschaft
Besondere Belastungen bestehen im Rugby zum einen im „Sturm“ genannten Mannschaftsteil, der besonders in statischen Spielsituationen – entsprechend den „Standardsituationen“ beim Fußball – gefordert wird. Hier drückt entweder im „Gedränge“ eine in sich verbundene Formation von acht Spielern gegen den ebenso formierten Gegner. Dabei wirken Kräfte von mehreren hundert Kilogramm insbesondere auf die Hals- und Lendenwirbelsäule. Oder es wird in der „Gasse“ ein Ball von der Seitenauslinie in das Spielfeld geworfen und die Spieler versuchen, durch Heben eines Spielers („Liften“) den Ball in Höhen von bis zu vier Metern zu fangen. Dabei stürzen die „Gassenfänger“ häufig zu Boden – mit entsprechendem Verletzungsrisiko vor allem für Sprunggelenke und Thorax.

Der „Hintermannschaft“ genannte Mannschaftsteil versucht, den Ball durch schnelles Fangen und Abspielen in die gegnerische Hälfte zu tragen, um ihn hinter den „Stangen“ genannten Toren abzulegen und einen Versuch zu erhalten. Hierbei werden schnelle Richtungswechsel praktiziert oder durch konsequentes Blockieren („Tackling“, „Tiefhalten“) des Gegners versucht, den Ball zurück zu erobern. Verletzungsgefahr besteht hier vor allem für die Bänder der Sprung- und Kniegelenke, für Schulter- und Thorax sowie für die Muskeln.

Aufgaben des Mannschaftsarztes
Wichtigstes Werkzeug für den Teamarzt ist die Aufmerksamkeit während des gesamten Spiels, um Verletzungsarten schon bei der Entstehung richtig einordnen zu können. Zusätzlich sind sofortige Eisanwendungen auf dem Platz fast immer sinnvoll und bringen den Spieler bei Prellungen schnell wieder auf die Beine. Außerdem sollte immer ein Näh-Set in greifbarer Nähe sein, denn Platzwunden sind häufig und können mit etwas Geschick in wenigen Minuten am Spielfeldrand genäht werden. Die Untersuchungstechniken des Bewegungsapparates sollten versiert beherrscht werden. Die Anwendung der Sonographie in der Sportmedizin kann dabei gute Dienste leisten und häufig helfen, die Schwere der Verletzung schnell einzuschätzen und Überdiagnostik zu vermeiden.

Rugby ist eine hochinteressante Sportart, bei der es zu ganz verschiedenen Verletzungen kommen kann. Die überdurchschnittliche Robustheit der Spieler stellt den Teamarzt jedoch zumeist vor lösbare Aufgaben.

Verletzungen bei Rugbyspielern (Angaben beruhen auf eigenen Beobachtungen des Autors)

Präventionsmaßnahmen

Der Autor:
Dr. Andreas Schwarz (Heidelberg) ist Facharzt für Allgemeinmedizin (Zusatzbezeichnung Sportmedizin, Chirotherapie, Homöopathie) und Teamarzt der deutschen Rugby-Nationalmannschaft

2 Antworten

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